Volkswagen Käfer

vw kaferMit Cornflakes hat der „Cal-Look“ nichts zu tun. Die Herkunft des Namens leitet sich nicht von Cerealien, sondern von Kalifornien ab. Von dort trat der Cal-Look – sprich Källuck – seinen Siegeszug um die ganze Welt an. Während bei uns der ursprüngliche Cal-Look vielleicht nicht mehr ganz so in ist (Resto-Cal gilt als cooler!), schwört man speziell in Frankreich oder England immer noch darauf. Wie auch immer, VW Scene widmet dem Cal-Look ein kleines Special. Wir zeigen, was in den frühen Neunzigern abging, wie ein Cal-Look 2000 aussehen kann, dass Karmann und Cal-Look prima zu sammenpassen – und beginnen mit einem Auto, das vor rund einem Vierteljahrhundert in den Anfangstagen des Cal-Looks entstand und noch heute existiert. Es ist ein 67er aus berühmtem Hause. Nennen wir die Geschichte…
vw kafer-Ein Grund für den langanhaltenden Erfolg des Cal-Looks war und ist sein dezenter, ja fast schon subtiler Auftritt. Zumindest war dies in den Anfängen so. Später beherrschten fröhliche Farben wie Neon-Grün, Pfirsich, Pink oder Gelb die Szene. Die Väter des Cal-Looks dagegen legten größten Wert auf Understatement, die Autos sahen bis auf die Felgen fast serienmäßig aus. Aber Power war damals schon Pflicht, denn mit einem unauffälligen „little beetle“ oder „bug“ die großvolumigen V8-Boliden zu verschrecken, das erst gab den echten Kick. Leider ist gerade der Leistungs-Aspekt in Europa irgendwie
verschütt gegangen. Und manchmal hat man das Gefühl, hier streiten sich die selbsternannten Gelehrten lieber darüber, ob bei einem Cal-Looker nun eine
brüstigen Vierzylinders neu, er ließ seine Gläubigen in aller Welt durch Serienproduktion
Optik weder die Sheriffs,
Standard- oder Exportstoßstange oder nur die schlichten schwarzen Fensterdichtungen erlaubt sind. Auch wenn Cal-Looker mit 34 PS zum Hinlangen auf dem Asphalt nicht wirklich geeignet waren, sie schonten das Portemonnaie und motivierten unzählige Käfer-Fans.
Leute wie Gary Berg haben sich um das übliche „wie kann, wie darf, wie muss ein Cal-Looker aussehen11 überhaupt keine Gedanken gemacht. Sie wollten einen Käfer zum Gasgeben, dessen Optik weder die Sheriffs, noch den Kollegen im Chevrolet an der Ampel vorwarnte. Gary konnte sich bei seinem 67er auf die Erfahrung des kompletten Berg-Clans stützen, an dessen Spitze der mittlerweile leider verstorbene Gene Berg stand. Nur für den Fall, dass es ein Leser vielleicht nicht weiß: Gene Berg ist für die Glaubensgemeinschaft der Luftgekühlten so etwas wie ein Papst. Der Carroll Shelby der Käfer-Treter. Der Albert Einstein der Boxer-Fraktion. Er definierte nicht nur die Grenzen des werksseitig eher schwach-brüstigen    Vier- zylinders neu, er ließ seine Gläubigen in aller Welt durch Serienproduktion seiner Weisheit teilhaftig werden. Gene Berg besuchte im übrigen 1995 auch das VW Forum in Castrop-Rauxel, und das in Orange, CA gelegene Unternehmen Gene Berg Enterprises hat für Hardliner so etwas wie den Status eines Wallfahrtsortes.
Gary, der älteste Sohn von Gene Berg und seiner Ehefrau Dee, donnerte schon in den Siebzigern mit dem hier gezeigten Käfer im Affentempo über die Viertelmeile: Niedrige 12er-Zeiten sind
Wenn über Cal-Look gesprochen wird, sind Begriffe wie Old School und Resto-Cal nicht weit. Und wenn man dann noch den German Style ins Wortgefecht wirft, ist bei manchem die Verwirrung komplett.

Hier eine kurze Erklärung – Variationen Vorbehalten:
Old Schools sehen so aus wie die Cal-Looker der Sechziger/Siebziger (siehe Berg-Werk). Nicht so poppig, eher unauffällig, aber beinhart sportlich. Chrom und Chromleisten erlaubt. Sportliches Interieur bevorzugt. Power ist Pflicht!
Resto-Cals sind so eng mit Old Schools verwandt, dass selbst
Old-School-Fahrer glauben, sie hätten einen Resto-Cal. Beliebtestes Extra bei Resto-Cal-Typ 1 ist der Dachgepäckträger mit Cola-Cooler. Mehr Chrom als echte Old Schools und nicht unbedingt soviel Bums wie die alte Schule. Okay?
German Style hat mit Cal-Look gar nix zu tun. Hiergeht’s um gründlich aufgebaute, luftgekühlte Boliden mit Schräglenkerachse, Typ-4-Granaten oder WBX-Krachern. Hi-Tech-Bremsen. Schalensitze. Optisch dezent, aber edel. Dunkle Farben, manchmal fast schon humorlos-metallic.
für ein straßentaugliches Auto mit Blechkarosse, Chromstoßstangen und komplettem Interieur auch heute noch eine mehr als anständige Leistung, oder? Als das Auto später in einen Unfall verwickelt wurde, entschloss sich Gary nicht etwa dazu, den Veteranen zu verschrotten, sondern baute ihn wieder neu auf. Auch wurde der Käfer erneut in ein aus heutiger Sicht für Cal-Looker untypisches Manurva-Blau- Metallic getaucht. Und Gary stellte seinen liebgewonnenen Gefährten wieder auf jene superraren BRM-Magnesium-Speedwell-Felgen, für die so mancher sein letztes Hemd geben würde und von denen selbst Familie Berg zum Zeitpunkt des Wiederaufbaus nur noch fünfSätze im Lager hatte. (Heute sind diese Felgen u.a. wieder über Custom & Speed Parts in Bargteheide erhältlich!)

vw kafer--Komplett neu steckte Gary den Boxer zusammen, der mit strammen 2110 ccm nicht mehr zu den Fliegengewichten gezählt werden darf. Basis ist eine Gene-Berg-Kurbelwelle, kombiniert mit Carillo-Pleuel und Kolben, die in 90,5-mm-Zylindern laufen. Die sprintfreudige Engle-FK87-Nockenwelle regelt ziemlich scharf die Steuerzeiten der 42- bzw. 37,5-mm-Ventile, deren Ein- und Auslassspielchen von Titan-Stößeln, Berg-Kipphebeln (1,45:1) und Chevy-Federn koordiniert werden. Die Zweikanal-Zylinderköpfe gingen vor dem Einbau durch die Hände von Bruder Clyde, der sich auf die Optimierung dieser Bauteile spezialisiert hat. Das Gemisch wird von zwei 48-IDA-Vergasern aufbereitet, die auf Scat-Trak-Einlasskrümmern thronen.

Die Synchronisation übernimmt ein Gene-Berg-Gestänge. Für eine kontrollierte Explosion sorgt eine Stinger-Zündung aus dem Hause Berg. Dieser Treibsatz macht den Metallic-Blauen zu einem Sprinterkönig, zumal als Traktionshilfe ein Sperrdifferential und ein enggestuftes Fünfgang-Getriebe zur Verfügung stehen. Sortiert wird dieses Räderwerk durch einen Gene-Berg-Shifter.

Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, ist das Fahrwerk fast schon primitiv: Vorn eine verstellbare Achse mit geänderten Achsschenkeln, hinten ein bisschen runtergedreht. Porsche-356B-Trommeln halten den Käfer im Zaum, Serienstoßdämpfer die Räder auf der Straße. Weder die relativ schmalen i85/7oer Pirellis hinten und schon gar nicht die 145er Michelins vorn erregen die besondere Aufmerksamkeit uneingeweihter Zeitgenossen. Insider sehen das anders! Sie zählen den Gary-Berg-Käfer zu den Wegbereitern des Cal-Look-Kults, und so erstaunt es wenig, dass ein amerikanischer Sammler für dieses „Berg-Werk“ kürzlich eine beachtliche Summe hinblätterte, um das Auto in seine Garage stellen zu dürfen.

Dieser Beitrag wurde unter Volkswagen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.